Praktika Fachmittelschule (FMS)

Voraussetzungen und Ziele

Die Praktika sollen in einem engeren Sinn Einblicke in die Berufsfelder (BF) Gesundheit und Soziale Arbeit sowie ins Arbeits- und Erwerbsleben geben. In der Einleitung des Lehrplans stehen die übergeordneten Anforderungen an die FMS-Schülerinnen und –Schüler. Für die Realisierung der Praktika sind folgende Elemente zentral:

  • Die allgemeinbildenden Fächer und der Berufsfeldunterricht bereiten in einer eher theoretischen Weise auf die Tätigkeiten nach der FMS vor, z. B. bewusste Verknüpfung von Theorie und Praxis, Verbindung Allgemeinbildung und exemplarische Aspekte der Berufsfelder etc.
  • Die Praktika gewähren den direktesten Einblick in die Berufsfelder sowie in einzelne Berufe und nehmen dabei die übergeordneten Vorbereitungen im praktischen Alltag auf. Ziel des Praktikums ist es, dass die Schülerinnen und Schüler die beiden Berufsfelder kennen lernen und fähig werden, am Schluss der FMS eine Entscheidung für ein Berufsfeld und einen konkreten Beruf zu fällen.
  • Ansprüche der Persönlichkeitsbildung werden hier ebenfalls umgesetzt und geübt. Es folgt eine Auswahl:

    • Konzentriertes Arbeiten
    • Arbeit im Team
    • Aushalten von Belastungen
    • Bereitschaft zur Selbstreflexion

Aufbau und Umsetzung der Praktika an der FMS Thun

1. Ausb.jahr: Berufsfeld Gesundheit (2 Wochen)

  • Ort: im Spital Thun oder in der REHA-Klinik Heiligenschwendi
  • Einführung und Abschluss je 1 Tag
  • 4 Tage allgemeine Pflege
  • 2 X 2 Tage Einblick in 2 Berufe nach Wunsch und gemäss Möglichkeiten des Spitals (techn. Operationsassistenz, Radiologie, Physio, Hebamme, Ernährungsberatung, Ergo...)
  • Zurück in der Schule: Einführung durch Ausbildungsverantwortliche HF/FH in zwei Ausbildungen des Berufsfelds Gesundheit, Pflege (obligatorisch) und z. B. Radiologie
  • Verfassen eines schriftlichen Berichts zuhanden der betreuenden FMS-Lehrkraft

 

2. Ausb.jahr: Berufsfeld Soziale Arbeit (2 Wochen)

  • Ort: in einer sozialen Institution ausserhalb des Kantons Bern. Schü suchen ihren Praktikumsort selber.
  • Mitarbeit in der Institution / im Betrieb, z. B. Familien mit erhöhten Anforderungen, geschützte Werkstatt, Jugendheim...
  • schriftlicher Bericht an FMS-Betreuer/-in

Verbindung mit den oben genannten allgemeinen Fähigkeiten resp. den Anforderungen der Persönlichkeitsbildung:

a)    Theorie und Praxis: Bei der Arbeit im Spital müssen die Schü die Kenntnisse z. B. aus Chemie, Biologie und Psychologie anwenden
b)    Exemplarische Aspekte aus verschiedenen Fächern werden in die Praxis umgesetzt, z. B. Psychologie: Thema Nähe und Distanz oder Körpersprache
c)    Ansprüche der Persönlichkeitsbildung

Konzentriertes Arbeiten: Die Schü dürfen sich weder im BF Soziale Arbeit noch im BF Gesundheit ablenken lassen, z. B. in der KITA (Überqueren der Strasse mit mehreren kleinen Kindern) oder im Spital (Eingabe von Essen)

Arbeit im Team: Sehr viele Arbeiten in beiden Berufsfeldern werden im Team ausgeführt,
 z. B. Übergabe der Arbeit von einer Arbeitsschicht zur nächsten oder Betreuungsaufgaben von Sozialpädagoginnen in einem Heim

Aushalten von Belastungen: Todesfälle im Spital oder grobe Anfeindungen durch Heimbewohnerinnen und –bewohner

Bereitschaft zur Selbstreflexion: Alle Berufe der beiden Berufsfelder erfordern ein hohes Mass an Selbstreflexion, z. B. in der Pflege: Waren die angeordneten Massnahmen der Situation angemessen? Oder in der KITA: War die Art einer Bestrafung erfolgreich und der Situation angemessen?

1. und 2. Ausbildungsjahr: Praktikum im Arbeits- und Erwerbsleben (total 4 Wochen)

Ziel: Einblicke in die Arbeitswelt gewinnen

Hier werden vorwiegend die Ansprüche der Persönlichkeitsbildung berücksichtigt.
Die Schü suchen ihre Praktikumsplätze selber. Sie treffen alle Abmachungen mit dem Arbeitsort autonom. Sie suchen sich obligatorisch einen Arbeitsplatz in einem fremdsprachigen Gebiet der Schweiz (mindestens 2 Wochen). Auch hier gilt wieder: konzentriertes Arbeiten und Aushalten von Belastungen.

Schlussfolgerung: Beide Arten der Praktika setzen vielfältig und praxisnah wesentliche Forderungen des FMS-Lehrplans um:
Ziele der Allgemeinbildung und im Bereich der erweiterten Persönlichkeitsbildung.